Sehr geehrte Damen und Herren !

Bitte unterstützen Sie keine Schwarzarbeit. Bitte lesen Sie hier ein Report des ZDF vom September 2002!


ZDF.Reporter 09.10.2002


Dächer werden oft von Schwarzarbeitern gedeckt

Der Ehrliche ist der Dumme

Der Mittelstand leidet unter Folgen der Schwarzarbeit

Im Jahr 2002 werden circa 350 Millionen Euro durch Schwarzarbeit umgesetzt. Damit hätte die Schwarzarbeit einen Anteil von 16,5 Prozent am Bruttosozialprodukt. Ein Dachdeckermeister berichtet, wie sein Betrieb unter der Schwarzarbeit leidet.

"Ich habe seit längerer Zeit keine Aufträge mehr von Kunden aus der Landwirtschaft erhalten", erzählt Bauingenieur Ulrich Huth, der ein Dachdecker-Betrieb im rheinhessischen Saulheim führt. Ein Grund dafür liegt nach Meinung des Firmenchefs an polnischen Hilfsarbeitern: "Die können nämlich nicht nur Spargelstechen, sondern auch fliesen, mauern und halt dachdecken". Wer wie Huth auf Schwarzarbeit verzichtet, hat es gegen solche Konkurrenz mit schwarzen Dumping-Preisen äußerst schwer.

Der Ehrliche könnte der Dumme sein, denn es sind nicht nur die ausländischen Saisonarbeiter, die an Sozialkassen und Fiskus vorbei arbeiten. Im Baugewerbe haben viele Betriebe eine Art ein Mischkalkulation entwickelt. Ein Teil der Aufträge wird einfach schwarz erledigt. Der eigene Betrieb wird dadurch profitabel und die Kunden genießen die niedrigen Preise. Bei der schlechten wirtschaftlichen Lage greift man auch auf Kundenseite immer öfter nach illegalen Preisvorteilen.

Auch die eigenen Mitarbeiter freuen sich über ein unversteuertes Zubrot. Sonderzulagen, die bei Überstunden oder Wochenendarbeit gezahlt werden, besteuert der Staat spürbar. Und die hohe Steuerlast lässt die Motivation der Mitarbeiter sinken: "Es sei fast unmöglich Arbeitskräfte zu finden, die am Wochenende legal arbeiten würden, ist von vielen Handwerksbetrieben und anderen mittelständischen Unternehmen zu hören. Bei 100 Euro Lohn fallen beispielsweise bis zu 80 Euro Nebenkosten an. Bei diesem Verhältnis klingt es schon zynisch, wenn man überhaupt von NEBENkosten spricht.

Zusammengefasst lassen diese Faktoren eine fatale Spirale entstehen: Schwarzarbeit führt zu weniger Einnahmen der Sozialsysteme, die dann wiederum durch Beitragserhöhungen auf ihren enstandenen Kostendruck reagieren. Noch höhere Abgaben machen jedoch unweigerlich Schwarzarbeit noch lukrativer - für Kunde und Unternehmer. Diese Entwicklung wird durch die Statistik belegt: 1975 mussten Arbeitgeber 30 Prozent des Bruttolohnes an die Sozialkassen abführen, im Jahr 2002 ist dieser Anteil im Durchschnitt auf 41,3 Prozent angewachsen.

Gleichzeitig aber erwirtschaftete die Schattenwirtschaft 1975 nur 5,8 Prozent des Bruttosozialproduktes. Heute ist es offiziellen Angaben zufolge 16,5 Prozent. Tendenz steigend.